Geschmackssache im wahrsten Wortsinn: Gasgrill oder Holzkohlegrill?

Etwa 10 % der deutschen Grillfreunde nutzen derzeit einen Gasgrill, stellte der Stern während der letzten Grillsaison in seiner online Ausgabe fest. Gegen über der Verbreitung des Gasgrills in den USA ist das nicht viel. Aber es verwundert auch nicht wirklich, wenn man bedenkt, wer hierzulande zu welchem Zweck, wann und wo grillt.

Während es anderenorts völlig normal ist, den Grill im eigenen Garten zu betreiben, vielleicht sogar dauerhaft dort stehen zu lassen, wird in deutschen Städten oft auf kleinen Balkonen, in Höfen, auf dem Parkplatz vor dem Haus oder im Park gegrillt. Da kann man das Gerät dann nicht einfach stehen lassen oder mal eben in den nahen Schuppen rollen, sondern muss gleich komplett einpacken. Bei Einweggrills und kleinen Holzkohlegrills ist das kein Problem, aber ein kleiner Gasgrill bringt gute 80 kg auf die Rollen – den trägt man nicht mal einfach zurück in die Garage.

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Eine Frage des Geschmacks?

Das ist es in der Tat. Denn den typischen Holzkohlegrillgeschmack mit ein bisschen Rauch, den bekommt man mit dem Gasgrill nicht hin. Dazu braucht man einen echten Holzkohlegrill. Einen, den man mit Kohle oder Brickets befeuert, die eigentlich rund um die Uhr an der Tankstelle erhältlich sind. So einen Grill, der eine gute Dreiviertelstunde vorheizen muss, bevor er wirklich Betriebstemperatur erreicht hat, und der während dieser Zeit ziemlich raucht und stinkt.

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Das freut zugegebermaßen nicht immer die Nachbarn – auch wenn die sich in der Regel damit abfinden. Der Gasgrill dagegen ist sofort angeheizt, auf Knopfdruck springt die Flamme an, das Fleisch kann aufgelegt und gegrillt werden. Die etwas luxuriöseren Varianten haben zusätzlich kleine Herdplatten rechts und links, eine Drehvorrichtung für einen Spieß und eventuell einen kleinen integrierten Ofen. Wichtig ist hier beim Kauf auf Testberichte zu achten, es gibt dazu viele Gasgrill Test Seiten im Internet, welche etliche Modelle getestet haben und die besten Gasgrills vorstellen. Das alles kann ein Holzkohlegrill nicht bieten. Übrigens hat der Test ergeben, dass der Geschmack bei Würstchen in der Tat beim Holzkohlegrill besser ist, beim Fleisch aber gar kein Unterschied bemerkbar ist. Was eventuell den Geschmack etwas beeinträchtigt ist, dass der Gasgrill bisweilen etwas unregelmäßig heizt.

Aber auch unerfahrenen Menschen am Holzkohlegrill kann ein Unglück passieren, es sollen schon öfters Würstchen außen verkohlt sein, die innen noch roh waren. Wer beim Holzkohlegrill nicht ständig wendet und an den Rand schiebt, riskiert ungleichmäßig gegartes Fleisch. Übrigens können sowohl Gas- als auch Holzkohlegrill mit einem Deckel versehen werden, so dass sich die Hitze staut und Grillgut gleichmäßig von allen Seiten gegart wird.

Der gesundheitliche Aspekt

Grillgut steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Das ist in erster Linie darauf zurückzuführen, dass sich durch das direkte Garen des Fleisches über der Kohle Fette verselbständigen, die in die Glut tropfen und Stichflammen auslösen können. Lecken die Flammen über das Fleisch, entstehen Stoffe, die krebserregend sind. Wer in der Aluschale grillt, kann das zumindest teilweise vermeiden. Der Gasgrill erhitzt das Grillgut dagegen nur indirekt: Die Flammen heizen Steinplatten oder ähnlich gut wärmeleitendes Naturmaterial auf, das die Hitze an das Grillgut weitergibt. Da tropft kein Fett in Flammen, und dementsprechend kann die Entstehung krebserregender Nebenprodukte fast ausgeschlossen werden. Das heißt konkret: Wer keine Aluschale unter dem Grillgut hat, ist mit einem Gasgrill tatsächlich besser beraten.

Das sind die Vor- und Nachteile:

Gasgrill:

– bei fachgerechtem Aufbau sehr sicher
– der Gesundheit zuträglicher als Holzkohlegrills dank indirektem Garen
– teurer in der Anschaffung
– Gasflaschen sind nur zu normalen Ladenöffnungszeiten in speziellen Geschäften erhältlich
– im Geschmack dem Holzkohlegrill gleichwertig
– verschiedene Möglichkeiten, Lebensmittel aller Art zu garen und warm zu halten

Holzkohlegrill:

– nur hier ist das wahre „Angrillen“ möglich
– bei fachgerechtem Aufbau sicher – abhängig von Untergrund und Wind
– direktes Garen lässt Stoffe entstehen, die krebserregend sein können
– kostengünstiger in der Anschaffung
– Holzkohle und Brickets gibt es rund um die Uhr an der Tankstelle
– geschmacklich bei Würstchen eventuell dem Gasgrill überlegen, nachgewiesen ist es aber nicht
– grillen ist grillen, und mehr geht nicht, auch nicht mit Deckel

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